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Finnisch im Allgäu?
Lea
Lieber Carl, vielen Dank für Deine Erzählungen. Die vielen kleinen Erlebnisse sind einfach schön zu lesen und zeigen ein sehr "persönliches" Finnland.
Und auch die Veränderungen an Land und Leute finde ich sehr spannend!

Ich freue mich auf weitere Bericht... weiterhin Dir gute Fahrt, gute Geschäfte und neue Erlebnisse!
Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich sage
- nicht dafür, was Du verstehst
 
Carl
Textauszug aus einem meiner Lieder:

Fahr weiter nach Norden,
hab die Straße im Blick,
denn das Ziel meiner Reise
liegt nicht einfach am Weg!

Und der Lohn der ganzen Fahrerei? Das "Nichts", endlich das Nichts!
Bei wolkenlosem Himmel mit Fernsicht am Übergang von der Taiga zur baumlosen Tundra, ja, es ist das Nichts!
Alles ganz weit zurückgenommen, fast kein Verkehr, und wenn, dann fahren die Leute andächtig auf freier Landstraße mit 40 kmh, kaum Geräusche, eine Amsel (?) irgendwo, 100 m tiefer rauscht leicht der Näätämöjoki, so groß wie die Iller, der die Wasserüberschüsse nördlich des Inarisees ins Nordmeer, die Barentsee, ausleitet.
Die Luft ist so unerwartet warm, daß man sich am liebsten ins Sonnenmoos legen möchte.
Im "Nichts" gibt´s oft mehr zu schauen als da, wo viel ist! Man bewegt sich wie in einer begrünten Mondlandschaft oder auf Alpinpässen in 2500 m Höhe, andächtig und staunend. Im Deutschen gibt es so einen schönen Begriff für das absichtslose Schauen, das "Gaffen", dem etwas Dümmliches anhaftet, aber doch nur die Leere beschreibt, die man vielleicht manchmal braucht, ich ganz bestimmt!
Aber es gibt hier auch alle paarhundert Meter Parkplätze, sobald sich die Perspektive verändert hat!
Ich bin also nicht allein.
Kannataa katsomaan, nauttamaan!

Norwegen hat die gleiche Zeit wie Deutschland. Oslo liegt ungefähr auf demselben Längengrad wie Berlin.
Finnland, weil es weiter im Osten liegt als Deutschland, hat 1 Std. Zeitvorsprung, + 1.
Aber Norwegen greift ja ganz außen um Finnland herum bis Rußland hinüber und hat dennoch die MEZ ohne Zeitsprung im Land. Das wollten die Norweger wegen der paar Leute dort oben wohl nicht machen.
Aber das führt zu der paradoxen Situation, daß man nach Nordosten aus Finnland hinaus in eine spätere Zeitzone fährt!
Bearbeitet von Carl am 19 July 2017 20:40
 
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Carl
Sorry Lea, daß ich auf Deinen freundlichen Zuspruch letztes mal nicht reagiert habe! Danke, es macht doch Spaß, ich quäl mich ja nicht!

Seit gestern bin ich wieder auf vertrautem Terrain, heute Markt in Rovaniemi und hab doch noch ein paar Stichpunkte vom Nordmeer, die ich gerne umschreiben möchte!
Die Nordküste bis zig-km tief ins Landesinnere ist baumlos. Dort, wo der Stein nicht ganz glatt ist oder in den Senken, wachsen Gras und Moos, nicht mal Büsche!
Umso erstaunlicher war die Blütenpracht in den Siedlungen und auf den Wiesen drumherum! Fast nur gelbe Blüten. Der Löwenzahn noch blühend aber fast kniehoch, massig Hahnenfuß und gelber(!) Klatschmohn! Für mich als Allgäuer hat dieses Meer und die flache Weite etwas besonders Faszinierendes, "weil mer´s halt it kennt!"
Ich mußte, auch wegen den bunten Häuser, an den sagenhaften "Erik den Roten" denken, den Wikinger, der vor 1000 Jahren in Grönland Ackerbau betrieb, zwischendurch auf Raubzügen unterwegs und eventuell sogar in Amerika war.

Zufällig kam auch ein großes Passagierschiff vorbei, dem ich nicht zugetraut hätte, daß es in dem kleinen Hafen von Berlevag anlegen kann. Es war ein Schiff der Hurtigruten, eine feste Passagierverbindung zumindest von Tromsö über Hammerfest, Nordkap bis Kirkenes an der russischen Grenze.

Gestern hab ich in Oulu bei einer Spedition noch eine Nachlieferung abgeholt, die mir der Jakob, unser Jüngster, nachgeschickt hat.
Bei der Rückfahrt über Utsjoki und Kemi nach Oulu hat mich über weite Strecken der Kemijärvi oder einer seiner Zuflüsse, mal links mal rechts, begleitet.
Der Kemijärvi ist mit 550 km der längste Fluß in Finnland und entwässert den größten Teil Finnisch-Lapplands nach Süden! Nach Norden kann er nicht abfließen, weil das bis 700 m hohe Mittelgebirge Saariselkä (Inselrücken) den Durchfluß verhindert. Erst der nördlich davon gelegene Inarisee entwässert sich ins Nordmeer, die Barentsee, nicht mit Beringsee zu vewelchsern!

Der Kemijoki entspringt als Kemihaara nahe der russischen Grenze ca. 100 km südlich des Inarisees und fließt ins Landesinnere. Trifft sich mit dem Kitinen, der durch Sodankylä kommt und fließt jetzt gemeinsam als Kemijoki nach Rovaniemi, wo der Ounasjärvi von Nordwesten dazustößt.
Die restlichen 100 km bis Kemi an der Ostseespitze ist der Kemijärvi zu einem beachtlichen Fluß angewachsen vor allem jetzt, wo es so viel regnet!

Die vielen Wasserkraftwerke sind mir aufgefallen, deshalb hab ich nachgeschaut.
Es sind lt. Wiki 18 Stück auf einem Gesamthöhenunterschied von 230 m.
Rechnerisch 12,8 m Wasserfallhöhe pro Kraftwerk, in Wirklichkeit dürften es unter 10 m sein.

Wenn wir schon beim Rechnen sind; noch die Überlegung, wieviele km pro Tag sich die Mitternachtssonne ab Polarkreis gen Nordpol schleift?
Bei rund 40000 km Erdumfang und ca. 23 Grad gekippter Erdachse ergeben sich etwa 2600 km Entfernung von Polarkreis zum Pol, die die Sonnenkante in einem halben Jahr zurücklegen muß! Das sind also bei 182 Tagen rund 14 km/Tag!
Das geht schnell im Norden, denn jetzt, 27 Tage nach Juhannus, ist sie schon fast 380 km gewandert und dürfte bald Utsjoki erreicht haben!
Am Nordmeer bei Berlevag hat man sie vor 3 Tagen noch deutlich gesehen, eine ausgestreckte Handbreit über dem Meer.
Bearbeitet von Carl am 21 July 2017 20:19
 
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Marjaana
Lieber Carl. Deine Berichte sind so schön zu lesen, danke dafür! Dort oben in Lappland ist es wirklich schön und wie du schreibst, das "Nichts" ist sehr erlebenswert.
Weiterhin gute Fahrt und ich freue mich schon auf neue Berichte!
 
Carl
Vielen Dank Marjaana, und ja, auch das "Nichts" kann man aus verschiedenen Perspektiven sehen; deshalb die vielen Parkplätze. Im übertragenen Sinn werden einem die Parkplätze auch auf dem Lebensweg angeboten. Also: manchmal anhalten und schauen und das Einfache in seiner Schönheit erkennen!

Und danke für Deinen Hinweis auf Tankavaara, den Besuch dort hatte ich für meine Südfahrt fest eingeplant.

Tankavaara liegt ca. 200 km nördlich von Rovaniemi.
Seit 1868 wurde bekannt, daß an verschiedenen Flüssen in der Gegend Gold zu finden sei und es entwickelte sich zunehmend ein allgemeines Interesse für dessen Abbau und damit auch die nötige Infrastruktur, sogar staatlich gefördert.
Tankavaara ist ein interessantes und malerisches Golddorf, wo Leute fest wohnen, aber der touristische Kern die Kulisse eines Western-Golddorfes zeigt.

Weltweit einzigartig ist das Gold-Museum, das die Geschichte sowohl des Goldes und die Techniken zu dessen Gewinnung, als auch der finnischen Goldfund-Regionen aufzeigt und beschreibt. Zudem die Geschichte im Umgang mit Gold aus 20 anderen Ländern! Super spannend!

Im Museum mußte ich die Eindrücke filtern, weil die Informationen so reichhaltig sind. Nach 1 1/2 Stunden hatte ich genug und besuche es nächstes Jahr wieder um mehr zu erfahren.
Den Zugang zum Gold findet man leicht, denn einer, dem man zutraut, alles zu wissen, ist der Dipl.Geologe Kasper von Wuthenau, der schon seit 30 Jahren dort mitarbeitet und neben Gold auch Edelsteine findet.
Ihn kann man alles fragen und ich habe von ihm 1 Gramm selbstgewaschenes Gold gekauft.
Wo kann man sowas sonst?

Überall, wo ich bin, nehme ich mir immer aufgesammelte Steine mit, hab schon ein paar Zentner. Und vielleicht kann ich von Kasper nächstes Jahr mehr Theorie über Steine lernen, das interessiert mich mehr als ich bisher weiß.
Er bietet auch geologische Führungen an und natürlich Goldwaschen.

Übrigens darf man alles Gefundene behalten!

wen´s mehr interessiert: www.Kultamuseo.fi
Bearbeitet von Carl am 23 July 2017 15:06
 
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Carl
Heute, Samstag, ist weniger los auf dem Markt in Rovaniemi als gestern.
Ich vertreib mir meine Zeit neben Gitarre spielen mit einem Buch, das mir Mara für heute geliehen hat und das ich nach dem Markt bei Marja am Kahvila wieder abgeben muß.
Mara habe ich gestern getroffen. Im Kahvila hat er mich auf Deutsch angesprochen. Er lebt in Rovaniemi, hat aber eine Zeitlang in Portugal gelebt und ist jetzt im Alter hauptsächlich auf Soroya, einer norwegischen Insel oben in der Barentsee.
Mara sagt, er habe all die Kanus und die Lappenschlitten für die Ausstellung im "Arktikum" in Rovaniemi gebaut bzw. hergerichtet.

Das Buch ist von Matti Saanio und heißt: Missä Golfvirta Yäätyy. Wo der Golfstrom vereist, von 1972.
Genau so ein Buch, auf das ich stehe!
Geschichte und Geschichten und lauter Schwarz-Weiß-Photos, wie ich sie leider nicht machen könnte, weil ich nicht tief genug drin bin und mir vor allem der Winter noch fehlt!
Spannend und lehrreich. Der Text ist in Finnisch, Norwegisch und Englisch. Ich hab ihn rausphotografiert, so daß ich ihn zuhause mit mehr Zeit lesen kann.
Ich photografiere natürlich jetzt auch digital, aber wenn ich diese Photos sehe, muß ich unbedingt meine alte Mamya 67 wieder aktivieren!

Eben erzählt mir eine Kundin, daß die Koko-Samen, also die um Sevettijärvi, ein kleines Volk von nur 800 - 1000 Leute sind. Daß sie eine eigene Sprache haben und die in der Schule auch gelehrt wird. ( Wie weiter vorne beschrieben: 10 Kinder, 1 Samisch Lehrer)

Aber heute haben sie auch eine Anhängerbühne aufgebaut, mit Plastikmusik, wozu allerdings einer singt.
Letztes Jahr hat noch Veikko Kinnonen mit der Haitari, der Ziehharmonika gespielt. Aber er sei schon alt und würde nur noch selten spielen.
Ich vermisse ihn, weil auch hier die Verflachung vom "volkstümlich" zum "volksdümmlich" tendiert.
Momentan die Caprisonnen-e-Schlagzeugmaschine zu Streicher-e-Piano und das noch zu laut! Veikkoooo!!

Ach ja, Marja hat mich gestern schon gewarnt, daß heute Karaoke ist. Muistan nyt!

> Tänään olen Mikkelissä,
huomenna en muista missä <

ich begleite es mit der Gitarre, aber es sind nur 3 Akkorde als langsame Polka.
Mutta jatkataan!
Bearbeitet von Carl am 23 July 2017 13:57
 
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Carl
Also meinen Ausführungen zum Rückzug der Mitternachtssonne dürft ihr überhaupt nicht glauben! Es gibt Widersprüche:
1. sie zieht sich weiter zurück als zum Nordpol, denn der ist ja im Winter komplett dunkel!
2. sie zieht sich nicht in 182 Tagen, sondern in 91 Tagen bis zum Nordpol zurück, also in 3 Monaten bis zur Tag/Nacht-Gleiche im September.
3. sie würde sich dann doppelt so schnell zurückziehen, also mit 28 km/Tag!
4. mit angelegtem Meterstab auf meiner Karte komme ich schon nach 25 Tagen dann weit ins Nordmeer, aber ich hab sie definitiv in Berlevag noch gesehen!
Wie paßt das zusammen?

Ich brauche einen Mathematiker! Vielleicht ist es kein linearer, sondern ein exponentieller Rückzug! Vielleicht zieht sie sich schneller zurück, je näher sie dem Pol kommt!
Keine Ahnung. Ich kümmere mich und schreibe es nochmals korrigiert!

Liebe Grüße, morgen Asuntomessut in Mikkeli!
Carl
 
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Jana Revontulet
22 July 2017 08:59
Allen ein schönes Wochenende! bin am Korvapuustit backen. Und ihr?

Otfried
19 July 2017 13:35
Danke Dir, Lea! Smile

Lea
16 July 2017 09:40
Otfried, alles gute zum Geburtstag!

Bene
16 July 2017 06:32
Danke Lea und Jana Smile

Jana Revontulet
11 July 2017 05:52
Paljon onnea Manuela Wink

Lea
08 July 2017 17:00
Herzlichen Glückwunsch Bene!!!!

Jana Revontulet
08 July 2017 10:38
Alles Gute zum Geburtstag Bene. Lass dich feiern Wink

Jana Revontulet
06 July 2017 06:31
Paljon onnea Kristin Wink

Gunn
04 July 2017 22:09
Nachträglich: Alles Gute zum Geburtstag Richard Smile

Tim Jonathan
03 July 2017 21:02
Hei Riku, auch vo mir alles Gute!

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