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Finnische Sami-Politik: Zum Interview in der Rundschau 172, S. 12:-HEUTZUTAGE ...
Albrecht Winkler
In dem von Saskia Geisler mit Prof. Vesa Puuronen geführten Interview behauptet Vesa Puuronen in der Deutsch-Finnischen Rundschau, dass "der finnische Staat die Sami auf viele Arten unterdrückt", ohne dafür allerdings irgendwelche Belege zu liefern. Puuronens Behauptung steht damit in völligem Gegensatz zu den Aussagen eines Berichts in Suomen Kuvalehti Nr. 8 vom 24.02.2017. Der Autorin des Berichts "ME SORTAJAT" S. 28 ff., Vappu Kaarenoja, in Suomen Kuvalehti, gibt Veli-Pekka Lehtola, Professor für Samische Kultur, den Rat, die Sami selbst zu befragen, ob sie sich auch heutzutage noch wirklich unterdrückt fühlten. Und dies tut die Autorin! Die interviewten Sami kommen zu der Feststellung, dass es heutzutage keine staatliche Unterdrückung der Sami mehr gibt, die Sami ganz im Gegenteil viel Unterstützung durch den finnischen Staat erfahren, wofür eine Menge Belege in dem Bericht angeführt werden. So erhält z. B. das Sami-Parlament eine nicht unbeträchtliche Finanzierung vom finnischen Staat.
Schade ist, dass durch das von Saskia Geisler geführte Interview einzig eine leider sehr einseitige, parteipolitisch links zu verortende Position zur Sami-Politik des finnischen Staates unkommentiert wiedergegeben wird. Hier wäre sorgfältigere Recherche und ausgewogenere Berichterstattung wirklich wünschenswert gewesen.
Seija und Albrecht Winkler, Bochum
Bearbeitet von Albrecht Winkler am 15 March 2017 09:14
 
Marjaana
Hei Albrecht und Seija,

ich denke nicht, dass hier eine sehr einseitige, parteipolitisch links zu verortende Position zur Sami-Politik des finnischen Staates unkommentiert wiedergegeben wird. Vielmehr sehe ich, dass Vesa Puuronen im Interview aus der Sicht der Sami spricht. Viele Sami fühlen sich in Finnland mindestens schlecht behandelt.

Aktuell wird in Finnland heftig um Tenon sopimus (Vertrag von Teno), in dem es um die Fischereirechte im Teno-Fluss geht, diskutiert. Die Samen sagen hier, dass, wenn das Gesetz verabschiedet wird, das ein Verstoß gegen den im finnischen Grundgesetz verankerten Paragraphen zum Schutz der Rechte der Samen ist. "Eine leere Hülse" wäre der Paragraph sagt z.B. Anne Nuorgam, finnische Sami-Politikerin, Mitglied des Sami-Parlaments 2012-15. Den Samen bliebe dann nur noch der Weg zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, Gerichtshof der Europäischen Union oder zu den Vereinten Nationen (Quelle yle.fi http://yle.fi/uut.../3-9507379 )

Ein anderes Beispiel kann sein, dass der finnische Staat in diesem Jahr 120.000 Euro Zuschuss bereit stellt zur Verwirklichung des §§ 31 des "saamen kielilaki" (Gesetz der Sami-Sprache). Im Gesetz steht u.a. "... das Gesetz bezweckt den Schutz des im Grundgesetz festgelegten Rechtes der Sami ihre eigene Sprache und Kultur zu entwickeln." Es gibt in Finnland ca. 10.000 Samen und sie sprechen drei verschiedene Sprachen: Pohjoissaami, Inarinsaami und Koltansaami (Nord-, Inari- und Koltasami). Heute sprechen nur noch ca. 26% der Samen ihre eigene Sprache. Wie man das mit 12 Euro / Person verbessern kann, fragen in Finnland nicht nur die Samen.

Ich habe mich im Herbst 2016 in Utsjoki mit Samen unterhalten. Natürlich wissen sie, dass der finnische Staat vor allem in den letzten Jahrzehnten (z.B. 1995 Verankerung des Sami-Parlamentes im finn. Grundgesetz) viel für sie getan hat. Sie sehen aber auch , dass ihre Rechte und Lebensumstände, Kultur und Sprache als Ursprungsvolk immer wieder bedroht sind, auch von internationalen Vorhaben, sei es Tourismus, Wirtschaft usw. Es ist schwierig dort oben das Leben zu meistern. Viele versuchen es mit Tourismus, aber das klappt in der Regel nur im Winter (Frühjahr), denn der Sommer ist kurz . Mein persönlicher Eíndruck oben in Lappland (Kemijärvi aufwärts) war, dass es dort den Menschen schlechter geht als im Süden. Das hat sicherlich wenig mit Unterdrückung zu tun. Es spricht aber auch nichts dagegen, dass der Staat versuchen sollte, dazu beizutragen, dass dieses bedrohte Volk, seine Sprache und Kultur, nicht aus Europa verschwindet.

Hier Sami-Parlament: http://www.samedi...
 
Albrecht Winkler
Liebe Marjaana, in dem von uns zitierten Rundschauartikel wird Vesa Puuronen als Mann bezeichnet, "der sich für ein linkes Bündnis politisch engagiert"., also vertritt er wohl eine "linke" Position! Zum anderen bestreiten wir nicht, dass sich viele Sami diskriminiert fühlen! Auf einem ganz anderen Blatt steht aber die Frage, ob der finnische Staat sich "rasisistisch" verhält, wie die Überschrift des Interviews in der Rundschau suggeriert und Sami diskriminiert, wie Puuronen, ein SozialWISSENSCHAFTLER, ohne Angabe von Argumenten beghauptet. Dem widersprechen wir aufgrund der Argumente im oben angegebenen sechsseitigen Artikel "Me sortajat" in Suomen Kuvalehti Nr. 8/2017 - , die uns wesentlich plausibler scheinen, den wir natürlich hier nicht wiedergeben können. Vielleicht beziehst du ja selbst Suomen Kuvalehti, ansonsten kann ich den Artikel gern einscannen und zuschicken.
So steht nun im Augenblick
Meinung gegen Meinung, aber das ist ja oft so in der Demokratie!
P.S. Da ruft der Abgeordnete des Sami-Parlaments Aslak Holmberg auf facebook in die Welt hinaus: "Es sieht so aus, als wären sie dabei uns zu töten", und die Welt soll glauben, den Sami ginge es buchstäblich an den Kragen. Was aber ist der Grund für den Aufschrei und "allerletzten Versuch" des Abgeordneten Aslak Holmberg? Nun, es ist der neue Tenon-Vertrag, der die Fischrechte am Tenon-Fluss regeln soll, um eine Überfischung zu verhindern. ("Der Fluss Tanaelva bzw. Tenojoki ist der norwegisch-finnische Grenzfluss. Er entsteht am Zusammenfluss von Karasjokka und Inarijoki nahe Karigasniemi. Die Länge des Flusssystems Inarijoki und Tanaelva wird mit 348 km angegeben." Wikipedia). Mit dem "neuen Tenon-sopimus" werden die Fischrechte am Tenonfluss geregelt. Sehr aufschlussreich ist hier ein auf Deutsch geschriebener Artikel des Sami Jouni Kitti, der mit Hinweis auf den neusten Vertrg deutlich macht, dass Sportfischer den Lachs nur mit Fliege und Blinker von einem Boot aus fangen dürfen, das zudem einem Bewohner des Flusstals gehören muss. Davon, dass der finnische Staat die Absicht hat, die Sami so langsam zu töten, kann also wirklich nicht die Rede sein, auch wenn das so manch ein Sami-Abgeordneter uns gern weismachen will. Siehe zur Teno-Problematik unter http://jounikitti.../teno.htmlund zur SamiFrage insgesamt: http://jounikitti...dexde.html
Bearbeitet von Albrecht Winkler am 15 March 2017 15:14
 
Marjaana
Lieber Alfred, ich habe jahrelang SK gelesen, aber danke für das Angebot ;-)
Für mich suggeriert die Überschrift des Interviews (nicht Artikels) in der Rundschau nicht , dass der finnische Staat sich "rasisistisch" verhält, Tatsache ist aber, dass es auch in unserem geliebten Finnland Rassismus gegeben hat und gibt, das kann man nicht wegdiskutieren. Sicherlich kann man aber Finnland nicht als "ein rassistisches Land" bezeichnen. Sollte das Herr Puuronen tun, ist das seine persönliche Meinung.

Und ja, es geht um den Teno-Vertrag. Und der hat wirklich etwas mit Sami und ihren Traditionen zu tun bzw. diese vergessen Norwegen und Finnland beim Vertrag(sentwurf). Sami haben schon immer Rentiere gehabt und sie haben Lachs gefischt. Und sie haben keine Überfischung betrieben. Ich denke, dass wenn Holmberg sagt "Es sieht so aus, als wären sie dabei uns zu töten", er die Lebensweise und Traditionen der Sami meint.

Im persönlichen Gespräch mit den Sami wurde mir klar, dass das Problem an der Flussmündung in Norwegen liegt. Der Lachs wird in Teno-Fluss geboren, er wandert ins Meer nach Norwegen und wandert nach einem Jahr zurück zu seinem Geburtsfluss und Laichplatz im Teno-Fluss. Jetzt werden die Quoten nur im Fluss eingeschränkt. Der Fluss bringt dann sicher schon mehr Lachse ins Meer, aber dort fischt eine immer mehr wachsende Fischereiflotte - nicht einzelne Fischer in kleinen Ruder-/Motorbooten -, die dafür sorgt, dass weniger Lachse zum Laichen zurückkehren und was das bedeutet, ist klar. Die Sami-Fischer in Finnland und Norwegen verlangen Fangquoten unbedingt auch für den Tenofjord, also das Meer. Sie meinen, dass das mind. 50% der zurückkehrenden Lachse ausmacht. Bisher hört man aber nichts davon. Mir haben einheimische Fischer und Betreiber von Hotels gesagt, dass sie auf jeden Fall auch weniger Gäste haben werden bei diesen Fangquoten und ihre Existenz ist bedroht.

Mit diesem Hintergrund verstehe ich den Aufruf von Áslat Holmberg . Der ist natürlich heftig, aber, wenn sie sich sonst nicht helfen können, verständlich. Ich verstehe ihn als Hilferuf.

Hier der Aufruf von Áslat Holmberg
https://www.youtu...e=youtu.be
 
Albrecht Winkler
Dass es Rassismus auch in Finnland gibt, steht außer Frage. Aber trotz des Gedankenaustauschs hier in diesem Forum bleibt für uns die Frage bestehen, ob Saskia Geisler nicht schärfer hätte nachfragen und auf Belegen hätte bestehen müssen für die Behauptung und den schlimmen Vorwurf von Vesa Puuronen in dem Interview: " ... der finnische Staat unterdrückt die Sami auf viele Arten. Das lässt sich auch für andere Minderheiten belegen." Mit dieser unbegründeten Aussage, verstärkt durch die Überschrift des Interviews, wird unserer Meinung nach der Rassismus als ein Phänomen behauptet, das dem finnischen, politischen System strukturell inhärent sei, und somit dem finnischen Staat direkt Rassismus vorgeworfen. Dies mag Puuronen von seiner parteipolitisch linken Position aus so sehen, zu fragen bleibt aber, ob dies tatsächlich so ist! Wir meinen nicht!
Seija und Albrecht Winkler
Bearbeitet von Albrecht Winkler am 16 March 2017 10:07
 
SaskiaGeisler
Liebe Seija Winkler, lieber Albrecht Winkler,

gerne möchte ich auf die direkt auf mich bezogene Nachfrage Rückmeldung geben.
In der Tat war mir von Anfang an klar, dass das Interview mit Vesa Puuronen kontrovers werden würde. Ich wollte gerne etwas zum Thema Rassismus bringen, weil ich den Eindruck hatte, dass in letzter Zeit viele deutsche Medien zu diesem Thema berichtet haben und es mir zentral erschien, dazu auch mal eine finnische Stimme und überhaupt das Thema in der DFR präsent zu haben.
Ich habe für dieses Interview lange nach einem passenden Gesprächspartner gesucht, bis mir Vesa Puuronen empfohlen wurde. Natürlich ist mir klar, dass er einen bestimmten Blick auf die Dinge hat. Aber genau das habe ich in der Einleitung des Interviews ja auch transparent gemacht. Da er bereits mehrere Studien zu Rassismus in Finnland geschrieben hat, kann er den monierten Satz ganz sicherlich begründen. Ich habe an dieser Stelle - auch aus Platz- und Zeitgründen nicht weiter nachgefragt. Es ist eben leider so, dass in einem Magazin wieder DFR manche Dinge nicht in voller epischer Breite ausdisktuiert werden können, das betrifft ja auch viele andere Themen. Um hier Abhilfe zu schaffen, hatte ich auch extra auf Puuronens Buch "Rasistinen Suomi" hingewiesen, wo entsprechende Positionen noch einmal detaillierter nachgelesen werden können.

Viele Grüße,
Saskia
 
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Lea
16 March 2017 07:31
Herzlichen Glückwunsch lieber Jörg, lass Dich ordentlich feiern!!!

Jana Revontulet
16 March 2017 05:52
Alles Gute zum Geburtstag Jörg Wink

DFG
15 March 2017 20:06
hei Karin & Jana Grin

Jana Revontulet
13 March 2017 05:52
Kaffee und Tee für einen guten Start in die Woche.

Anna Karenina
09 March 2017 17:09
Vodka-Füllung Sad Sad warum führen die nichts Gutes ein, z. B. Geisha??

Lea
09 March 2017 09:11
ohhhh...wir sind leider Süd:-(

Sini Dorka
09 March 2017 07:24
Heute bei Aldi Nord: Fazermint, mit Vodka und mit Likör!

lummelahti
08 March 2017 23:13
Hallo Karin, danke für die Glückwünsche und den Schnee &#10052;

Lea
08 March 2017 14:09
Herzlichen Glückwunsch Frank! Ich lass es noch etwas schneien!!

Jana Revontulet
08 March 2017 05:51
Alles Gute zum Geburtstag Lummelahti Wink

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