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Interview mit Samu und Sami von Sunrise Avenue in Bremen |
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Tina: Seit der Albumveröffentlichung ist nun schon ein halbes Jahr vergangen. Dass die Leute von dem Album begeistern waren, zeigen ja die Verkaufszahlen.
Sunrise Avenue: Tun sie das? Wie oft wurde es verkauft?
Tina: Ich glaube, es war in den Top Ten, also gehe ich davon aus, dass es Gold erreicht hat.
SA: Okay, wir haben bis jetzt noch keine Auszeichnungen bekommen. Vielleicht geben sie die uns in der Schweiz nach der letzten Show. Aber das ist großartig.
Tina: Wie waren denn die Reaktionen der doch immer sehr kritischen Musikjournalisten?
SA: Sie waren tatsächlich wirklich gut, denn für das erste Album haben wir am Anfang nämlich nur einen oder zwei Sterne bekommen. Als wir es veröffentlicht haben und nachdem wir eine halbe Millionen Exemplare verkauft hatten, gab uns jeder fünf Sterne und sagte, „Ja, das ist wirklich gut.“ So läuft das. In gewisser Hinsicht sind wir mit „Popgasm“ wirklich große Risiken eingegangen. Ich meine, da war dieses zweite Album-Dilemma, das immer entsteht, wenn man erst ein Album veröffentlicht hat. Man ist nicht wie Metallica, Green Day oder Foo Fighters, die schon ihren eigenen Sound haben. Wir haben zwei neue Jungs auf der Bühne. Osmo am Keyboard und wir haben Riku als neuen Gitarristen. Es haben sich also eine Menge Dinge verändert und natürlich haben wir auch in unseren Leben einiges ausprobiert. Und wenn man dann 25 Männer mit schwarzen Anzügen und Krawatten im Studio hat, muss man einen Hit schreiben. Und bei der ersten Single fängt man an mit einem „drum loop“ und danach mit etwas wie „Fairytale“ und dann merkt man, dass das so nicht läuft. Als wir uns dazu entschieden haben keine Außenstehenden einzubeziehen, wollten wir einfach so viel Spaß wie möglich haben, ein bisschen verrückte Sachen ausprobieren wie mit dem Orchester. Das ganze einfach genießen. Und ich war überrascht. Ich erinnere mich, dass ich in Zürich war und mich jemand aus Köln angerufen und gesagt hat „Die Reporter finden das Album wirklich gut.“ Und ich dachte: „Was zum Teufel, sie können das Album nicht mögen, denn es ist so offensichtlich.“ Es ist wirklich verrückter Kram, wirklich kitschige Pop/Rock Lieder. „The Whole Story“, zum Beispiel, ist nichts Neues. Es gibt eine Millionen Lieder wie dieses und auch „Not Again“. Und überall Balladen wie „Welcome To My Life“, bei der wir wirklich fühlen, das sie sehr tief und wirklich sehr gut ist. Aber es gibt auch „Birds And Bees“, bei dem es um den „mommy and daddy tiger“ geht. Es ist von allem etwas dabei. Ich war mir sicher, dass jeder Journalist sagen würde, dass das nicht funktioniert ... ein Stern.
Tina: Wenn man auf Youtube und ähnlichen Internet-Videoportalen geguckt hat, konnte man merken, dass Ihr sehr aufgeregt wegen des Albums wart. Es hatte den Anschein, dass Ihr sogar aufgeregter wart als beim ersten Album.
SA: Nun weißt Du, es ist auch für uns fremd. Wir traten zwei oder drei Jahre mit dem ersten Album auf. Wir haben schon auf neue Songs gewartet. Auf dem ersten Album hatten wir, Gott sei Dank, 15 Lieder. Wenn man nur ein Album mit elf Liedern gehabt hätte, wäre es sehr langweilig geworden. Wir hätten dann Bon Jovi oder Foo Fighters Songs auf der Bühne gespielt. Wir haben die neuen Lieder schon mehr als ein Jahr live gespielt, bevor wir einige von ihnen veröffentlicht haben. Ich glaube, es ist immer das gleiche, wenn man etwas zum ersten Mal macht. Dann kann man das irgendwie nicht so genießen. Jetzt haben wir das zweite Album raus und wir wissen ein bisschen, wie es läuft. Wenn man in den Kalender guckt, hat man dort „The Dome“ und man weiß mehr oder weniger, was das ist. Dann wissen wir, dass es einige Festival gibt und wie die ablaufen. Wir sind nur glücklich, dass die Leute es mögen und die Radiosender es spielen. Und weißt Du, wenn jemand es kauft, dann ist das großartig. Und wenn es sie runterladen, dann laden sie es runter.
Tina: Aber die richtigen Fans, sie kaufen es.
SA: Ja, das ist wirklich schön. Und solange die Leute zu unseren Auftritten kommen, ist das eine schöne Sache.
Tina: Und sie lieben Euch wirklich. Man kann das sehen.
SA: Wir müssen sie jeden Abend dazu bringen, uns zu lieben. Das ist unser Job. Nicht uns zu lieben, aber ich meine, wir müssen ihnen etwas geben, damit sie sich gut fühlen.
Tina: Aber ich denke, Ihr wisst, dass die deutschen Fans Euch sehr lieben. Ihr habt das beim finnischen Musiksender „The voice“ erzählt, meine ich. Und viele finnische Bands sagen, dass die deutschen Fans sehr besonders sind. Ist es mit finnischen Fans anders als wenn man vielleicht in Deutschland, der Schweiz oder Österreich auftritt?
SA: Ich glaube, der größte Unterschied ist zwischen den finnischen Fans und den restlichen Fans. Denn in Finnland sind wir nur eine der finnischen Bands, die Musik machen. Und manchmal bekommen wir sogar die Missgunst der Leute zu spüren, wie „okay, Ihr habt so ein Glück, nur diesen einen Hit“ und was auch immer. Und wir sind nicht die heißeste Gruppe im Moment. Wahrscheinlich werden wir es nie sein und das ist okay. Mal ehrlich, ich meine, guck’, was wir in den letzten drei Jahren von unserem Leben bekommen haben. Eine Menge davon aufgrund einiger wirklich sehr loyaler und fantastischer Leute, die uns unterstützt haben, besonders in Deutschland. Natürlich auch diese fantastischen und hingebungsvollen Leute in Polen, wo wir schon drei Mal gewesen sind, und ebenso Griechenland. Aber ich will damit sagen, die EMI Deutschland war das Unternehmen, das gesagt hat „Hey, die Band hat etwas besonderes, lasst sie uns unter Vertrag nehmen.“ Sie haben eine Menge Geld investiert, wir haben wirklich gute Touragenten gefunden, die fantastischsten Menschen auf der Welt. Und dann die Journalistin, die uns gerade interviewt hat. Das junge Mädchen, ich weiß nicht, sie ist nur eine Freiberuflerin und sie war schon in Leipzig 2006 und hat das allererste Interview mit uns bei The Dome gemacht. Aber wie auch immer, ich will damit sagen, Deutschland spielt eine wirklich sehr große Rolle in allem, was wir momentan machen und wir können nie sagen, wie dankbar wir dafür sind.
Tina: Ich habe vor fast drei Jahren ein Interview mit Euch gemacht und ich finde, dass ihr jetzt erfolgreicher seid als damals.
SA: Das kann sein. Aber wir sollten nicht über solche Dinge nachdenken. Natürlich machen die Plattenfirmen ihren Job. Nur sie sagen, dass man zu der Emma Verleihung oder zu der Comet Verleihung gehen soll. Man sollte dort sein. Aber weißt Du, Popularität ist eigentlich nichts. Das ist normalerweise nur eine Last auf Deinen Schultern. Denn wenn man zum Flughafen fährt, warten dort Menschen auf Dich und solche Dinge. Popularität, die wir wirklich mögen, ist, wenn Leute auf Konzerten ihre Hände in die Höhe nehmen. Es ist egal, ob es 200 oder 2.000 sind. Wenn wir uns das aussuchen können, dann natürlich 2.000, weil es mehr Spaß macht. Aber ich bin froh, dass es so ist, denn ich kenne eine Menge Leute in Deutschland, in Großbritannien, sogar in den Staaten, die an das Album geglaubt und ihren Job riskiert haben. Die großen Bosse sagen: „Ja, wir werden das machen und in Sunrise investieren.“ Von daher ist es gut.
Tina: Ihr habt Euch für Euer neues Album viel Zeit gelassen, 14 Monate genauer gesagt. Wolltet Ihr der Gefahr entgehen als One-Hit-Wonder zu enden, wenn man auf die Schnelle ein zweites Album produziert, um die erfolgreiche Phase mitzunehmen?
SA: Wir haben schon 2007 mit den Aufnahmen angefangen. Die Manager haben uns sogar ins Studio gedrängt. Sie haben uns gesagt, dass wir mit den Aufnahmen anfangen sollen. Wir hatten damals viele Probleme innerhalb der Band. Es gab viel Streit und ich erinnere mich, dass wir in diesen legendären Finnvox Studios in Finnland waren. Ich meine, wahrscheinlich sogar gewissermaßen die besten Studios, um das Schlagzeug aufzunehmen. Ein wirklich sehr guter Ort. Theoretisch war also alles bestens. Aber wenn man sich nicht mehr in die Augen gucken kann und man weißt, dass eine Tour bevorsteht, dann war es eine gute Entscheidung, dass wir die Handbremse gezogen und zu dem Zeitpunkt nichts gemacht haben. Es gab viele Auseinandersetzungen 2007. Alles war so neu für uns. Es passierte alles innerhalb von zehn Monaten und plötzlich mussten wir. Wir sind nicht wie die Scorpions oder wie Pink. Ich will damit sagen, dass man eine Menge lernen muss. Man gibt seine Telefonnummer nicht mehr weiter und wenn man ein Mädchen in der Bar trifft, nimmt man sie nicht mit nach Hause. Aber Du kannst Dir bei nichts mehr sicher sein. Viele Bands auf der Welt haben nicht mal einen Hit, also können wir wirklich froh sein. Ein Haufen Jungs hat eben diesen einen wirklich großen Radioverkaufshit und hoffentlich wird es irgendwann einen neuen geben. Es war lustig, als wir beim Radiosender Bremen 4 war und sie für den Wettbewerb immer noch „Fairytale Gone Bad“ genommen haben. Ich glaube nicht, dass Bon Jovi glücklich gewesen wäre, wenn man es ausgelassen hätte, „Runaway“ zu schreiben, denn dieses sind die Lieder, die man immer haben wird. Gerade jetzt ist in den Läden eine CD auf der kein „Fairytale Gone Bad“ ist, natürlich gibt es die CD auch, aber auf dem neuen Album sind neue Lieder.
Tina: Es ist wie wenn man sagt: „Ich gehe heute zu einem Sunrise Avenue Konzert.“ und das Gegenüber fragt: „Sunrise Avenue?“ und man nennt „Fairytale Gone Bad“ und sie reagieren mit „Aah!“.
SA: Es ist immer so, denn wir sind aus Finnland und haben nicht diese große amerikanische Marketingmaschinerie hinter uns. Weißt Du, sogar bei Lily Allen ist das so und wie viele Alben hat sie veröffentlicht? Vier oder so. Bei ihrem letzten Album war das so. Wir haben unser ersten Album rausgebracht und hatten Besprechungen bei der EMI Deutschland und ich habe gedacht: „Wer zum Teufel ist das?“. Sie ist wirklich großartig. Und das ist gewissermaßen wirklich normal. Denn wenn sich nach einem Album auch die Hälfte der Gesichter auf den Postern verändert, ist es wirklich normal, dass nur Teenager oder junge Leute vielleicht wissen, wer man ist. Es ist großartig, wenn sie das Lied kennen. Wenn sie das Lied nicht kennen, würden sie auch uns nicht kennen.
Tina: Aber ich schätze, dass „Fairytale“ in ein paar Jahren ein Klassiker sein wird.
SA: Hey, das ist fantastisch. Ich meine, sogar jetzt macht es so viel Spaß das Lied zu spielen. Und das war es, wovor ich Angst hatte, denn in Finnland waren wir 21 Wochen am Stück Nummer eins bei den Radiosendern und es gab den Moment, in dem keiner mehr den Song hören wollte. Es wurde zu viel. Wenn es im Radio lief, hat jeder in Finnland den Sender gewechselt, weil es zu viel war. Aber ich erinnere mich noch: Wir kamen 2007 von der Tour, der Song lief im Radio, ich war an der Tankstelle, um mein Auto zu tanken und ich habe noch im Bus gedacht: „Das ist wirklich ein richtig guter Song.“ Und ja, es ist unserer. Und sogar gestern haben sie ihn noch gespielt und das fühlt sich gut an. Das Ding ist, dass es ein echter Song ist und nicht irgendeine Popsache, die vom Management kommt. Wir haben ihn wirklich geschrieben und es ist wirklich unser Song und dann können wir dahinter stehen.
Tina: „Popgasm“ ist meiner Meinung nach frecher und humorvoller als Euer erstes Album. Habt Ihr Euch deshalb auch für diesen ungewöhnlichen, aber doch originellen Albumtitel entschieden?
SA: Dieser Albumtitel war eigentlich ein Versehen. Ich habe gerade heute über das nächste Album nachgedacht und wir nennen es „The Threesome“. Aber es wird nicht so heißen. Aber es ist das dritte Album und ich möchte es nicht „Album 3“ nennen. Und Babys haben Babynamen. Als ich im Bauch meiner Mama war, hat sie oder mein Papa mich „Abel“ genannt, weil sie einen Namen für das Baby haben wollten. Also jetzt ist es „Threesome“ und wir geben ihm später einen Namen. Aber ich hasse Albumtitel, die gewissermaßen nichts aussagen. Ich meine „On The Wonderland“ war perfekt, denn Wonderland war der Ort, an den wir wollten, diese Pop-/Rock-Sache. Und gewissermaßen das ganze Album und die Stimmung des Album, wie z.B. davon zu träumen irgendwann bei „Rock am Ring“ aufzutreten und dann eines Tages dort zu sein. Das ist perfekt. Es passt in dem Fall. Wir hörten ein paar Vorschläge, dass das Album „Welcome To Wonderland“ oder „Wonderland-Express“ heißen könnte. Ich bin mit dem Produzenten gefahren, ich habe ihn nach Hause gebracht, und es beschäftigte mich. Ich glaube, wir haben das Schlagzeug oder etwas anderes wirklich spät aufgenommen. Wenn man das Schlagzeug aufnimmt, sind dort nur Sami und der Produzent und ich höre nur zu wie: „Ja, ich kann folgen, cool.“ und ich habe über den Namen nachgedacht. Und ich sagte zu dem Produzenten kurz vor seiner Haustür, dass ich wirklich gerne einen starken Namen für das Album hätte, wie „Escapology“ oder so. Es bedeutet nicht wirklich etwas. Es muss rop, rock, energy, life, orgasm, popgasm beinhalten. Ich sagte: „Popgasm. Ja!“ und dann fingen wir ganz langsam an, es der Plattenfirma schmackhaft zu machen. Ein teuflischer Plan, den Namen zu verkaufen. Und ich denke, es ist irgendwie ein riskanter Name, denn viele Leute können ihn irgendwie wirklich abstoßend finden, weil es „Popgasm“ ist und es gewissermaßen wirklich arrogant ist, dass wir unsere Musik popgastic nennen. Dass man davon popgasm bekommt. Aber weißt Du, der, der keinen Humor hat, hat eben keinen. Und wenn Du auf Nummer sicher gehen willst, dann spiele das Spiel nicht, weil es dann passiert. Es gibt immer noch Meinungen darüber. Man kann es so sehen, dass es nur ein Name für ein Album ist. Niemanden kümmert es, was es ist. Und es beschreibt das Album sehr gut, denn es hat die typischen Pop-/Rock-Songs und es gibt auch verschiedene Richtungen, was schon beim ersten Lied anfängt. Es ist wirklich sehr vielfältig, es gibt sogar einige Modern Talking-Klänge und ähnliches und das ist gut. Es bedeutet, dass es eine unkontrollierbare Masse von Songs ist, was immer gut ist.
Tina: Als ich Euer Album gehört habe, war ich im Nachhinein etwas überrascht, dass Ihr als erste Single „The Whole Story“ gewählt habt, weil es für mich der gewöhnlichste und Sunrise Avenue-typischste Song ist.
SA: Für mich auch. Ich war nicht begeistert darüber, dass es die erste Single sein musste.
Tina: War das so eine Art Sicherheitssingle? Und wer entscheidet, welcher Song als Single veröffentlicht wird?
SA: Wir hätten mit „Bad“ angefangen und dann wären als nächstes „Welcome To My Life“ und „Birds And Bees“ gekommen, die wirkliche Stärken des Albums. Aber die Businessleute haben mich sogar nach Schweden geschickt, um mit diesem professionellen Songwriterteam zu schreiben. Es ist ein guter Song, ich habe nichts dagegen, aber gegen die künstlerische Darstellung und das Video des Songs. Wir sind wirklich glücklich, dass wir unterstützt werden, aber ich denke, es war zu sicher. Ich meine, es erweckt nichts in Dir. Es ist okay, dass es veröffentlicht wurde. Es ist ein perfekter Radiosong. Keiner hasst ihn wirklich, denn es gibt daran nichts zu hassen. Aber es gibt auch nichts daran zu lieben, wenn man nicht ein richtiger Fan der Band ist. Und ich denke, dass es wichtiger wäre, mutiger Schritte zu machen wie Pop-/Rock-Gruppe wie Pink. Ich finde, „6-0“ oder „Birds And Bees“ wären wirklich großartig gewesen. Ehrlich gesagt, ist das der Grund, warum wir unser eigenes Video machen wollten. Denn die Plattenfirma hat entschieden Videos für „The Whole Story“, welches okay ist, und „Not Again“, welches wir übrigens hassen, zu drehen. Es wurde nicht mal in Skandinavien veröffentlicht. Wir haben nicht viel getourt, aber wir haben uns dazu entschieden, etwas Geld zu investieren und das Video zu „Birds And Bees“ zu bezahlen. Wir hatten viel Spaß. Es war nach „Fairytale Gone Bad“ das erste gute Sunrise Avenue Video. Das gleiche passierte mit „Welcome To My Life“. Es war ein totaler Mist und wir wollten den Weg nicht wieder gehen. Wir wickelten das ganze Projekt ab, das Du hoffentlich schon gesehen hast, und das, wie ich finde, wieder sehr gut zu dem Song passt. Mit sehr kleinem Budget, mit sehr schnellem Zeitplan. Nächstes Mal werde ich es nicht abgeben. Aber wenn Du eine große Plattenfirma an Deiner Seit haben willst, dann musst Du sie Entscheidungen für Dich treffen lassen. Und hey, wir hatten einen Nummer Eins-Hit damit in Deutschland. Es war der Titelsong der Weltmeisterschaft und wurde überall gespielt. Also ist es vermutlich gut, dass es die Leute an Sunrise Avenue erinnert. Jetzt müssen wir nur hoffen, dass „Popgasm“ lange genug aushält, um den Leuten auch die andere Seite des Albums zu zeigen. Ich weiß nicht. Aber weißt Du, für mich denkt natürlich jeder Künstler so. Für mich bedeutet auf Nummer sicher gehen, immer alles zu geben. Und die wirkliche Stärke auf diesem Album sind „Welcome To My Life“, „Birds And Bees“, „6-0“ und sogar „Something Sweet“ und „Bad“. Aber hey, wenn irgendjemand eine Kristallkugel hätte, würde jeder die richtigen Entscheidungen treffen. Aber wenn Du sie hast, kannst Du uns jederzeit besuchen. Ich erinnere mich, wir hatten diese Studiosession in Finnland. Wir haben jeden eingeladen aus Schweden, London, Dänemark, Germany, diese Manager, Plattenfirmenmitarbeiter, Verleger, Labelmitarbeiter, haben ihnen Sushi und Champagner in unserem Studio angeboten, sie in unseren Kontrollraum gebracht und ihnen die Lieder zum ersten Mal vorgespielt. Und dann sagten wir: „Okay, hier kommt die erste Single „Birds And Bees.“ und eine von ihnen fing an zu weinen. Ich war wegen der ganzen Sache so aufgeregt. Es war eine blöde Idee so zu starten. „Das ist nicht Sunrise Avenue. Sie werden es hassen. Das ist zu gefährlich.“ Natürlich ist es ein bisschen gefährlich, aber egal. Ich finde, es ist ein guter Song und er macht so viel Spaß. Viele Leute denken wahrscheinlich: „Worüber, zum Teufel, ist dieses Lied?“ Ich weiß nicht, wie man rappt. Das ist so peinlich. Und dann ist da der Teil bei dem keiner irgendetwas spielt, aber man kann diese Tigerstimme hören. Aber es ist Spaß. Das sind Emotionen.
Tina: Das Video ist sehr cool und ich vermute, wenn man Euch als Band nicht kennt und das zuerst sieht, denkt man: „Diese Jungs sind verrückt. Sie müssen aus Finnland kommen.“
SA: Du kannst Dir vorstellen, wie viel Spaß der Dreh gemacht hat. Es war beim Dreh zum Video von „The Whole Story“. Wir haben gefilmt und gefilmt und gefilmt und gefilmt und dann bekam ich die Erlaubnis für 15 Minuten die ganze Crew, Lichter und alles zu benutzen. Und ich nahm die Jungs und ich war wie der Regisseur. Ich habe einfach die Shirts verändert und das Popgasm-Schild hinter uns gehängt. Das war so cool. Es hat mir Spaß gemacht den Lehrer zu spielen und Sachen in die Luft zu werfen. Das macht Spaß.
Tina: „Welcome To My Life“ wird Eure nächste Single sein. Du hast in Deinem Blog geschrieben, dass das Dein persönlichster Song ist. Wie Du schon erwähnt hast, hattet Ihr dazu schon ein Video gedreht, Euch aber gegen dieses entschieden und ein neues Video mit eigenen Ideen umgesetzt. Ist es schwierig, einem Song, der einem so viel bedeutet, mit einem Video gerecht zu werden?
SA: Nein, das Problem mit dem ersten war, dass es schlecht war. Es sah aus wie ein Scherz aus den 80ern. Ich sah aus wie 67 Jahre und nicht wie 64 so wie heute. Ich will damit sagen, dass alles falsch war. Wenn Du Dir den Teil mit den Instrumenten anguckst, hat Sami nicht mal Drumsticks. Es war schlechte Qualität, unscharf, alles war wirklich sehr schlecht. Als ich gesehen habe, dachte ich: „Okay, das zweite Video, das wir nicht nehmen werden.“ Wir haben jedes Mal ein Videoproblem, denn das Problem für die Regisseure ist, dass wir keine eindeutig Popgruppe sind. Wir sind eine Rockband auf der Bühne, aber auf den Alben sind wir ein bisschen poppiger. Und wir sind wirklich normale Jungs und jeder hat versucht, die Grenze zu den Videos wie „The Whole Story“ zu finden. Sie holten die Lederjacken raus, ich werde das ehrlich nie wieder machen. Ich werde dieses Puma-Shirt beim nächsten Video tragen. Ich meine, für „Birds And Bees“ hatte ich dieses drei Euro H & M-Shirt an und das passte. Aber es war einfach so schlecht, dass es nicht funktioniert hat. Und der Song ist viel zu gut, um mit einem schlechten Video zerstört zu werden. Deshalb mochten wir es wirklich. Es gab diesen wirklich talentierten Regisseur in Finnland, der die Band wirklich gut kennt und wusste, wie wir die ganze Sache sehen. Und er ist ein Film-Typ. Deshalb sagte er, dass wir es sehr niedrig forcieren, es ganz einfach halten und es gut aussehen lassen. Wir haben das Drehbuch zusammen mit ihm geschrieben und ich erinnere mich, wie ich den ersten Mitschnitt mit all den Fehlern gesehen habe. Aber weißt Du, keiner ist perfekt und manchmal bedeutet es harte Arbeit. Wir haben auch 40 Songs für das Album aufgenommen. Versionen und Versionen und neue Sachen und diese Sachen. Manchmal muss man doppelte Arbeit machen, um zu einem Ergebnis zu kommen oder um zu realisieren, dass das erste doch das Beste war. Den Song „Billie Jean“ hat man 72 Mal gemixt und weißt Du, welchen sie genommen haben? Nummer zwei. Das ist eine legendäre Geschichte. Und weißt Du, da gab es einen Grund. Sie haben danach wirklich daran geglaubt und dafür ein großes Budget ausgegeben und es wurde der Welthit. Einer der größten jemals.
Tina: Ich finde, dass auf „Popgasm“ wesentlich innovativere Lieder sind als auf „On The Way To Wonderland“. Wer hatte die Ideen, z. B. für den Sprechgesang bei „Birds And Bees“, diese Art Schlagerintro bei „Kiss ’N’ Run“ oder die Streicher bei „6-0“? Entsteht das in Zusammenarbeit mit Eurem Produzenten Jukka Backlund?
SA: Diese Rap-Sache war bei „Birds And Bees“. Es war eigentlich kein Rap, sondern mehr ein Sprechgesang. Sami spielte das Schlagzeug in diesem merkwürdigen Set und der Sound war schon sehr groß. Und ich wollte in den Aufnahmeraum gehen, in dem man die Stimme aufnimmt. Und ich ging zur Toilette und habe meine Hände gewaschen und Jukka hat gerade irgendwas an dem Song verbessert und ich sagte einfach: „I’m looking at you…“ Er sagte: „Kannst Du das noch mal machen?“ und ich meinte: “Klar. Bist Du Dir sicher?“ und er sagte: „Ja, ja, ja, das machen wir.“ Also war es ein Versehen. Und weißt Du, dass hat EMI etwas aufgebracht. Der Violine-Part in „6-0“ kam dazu als ich den Song schon komplett komponiert hatte. Aber Jukka sagte: „Okay, wir werden dazu nicht die Band einsetzen.“ Die Streicher waren seine Idee und er hat es so komponiert, um Raum zu schaffen. Die „Kiss ’N’ Run“-Produktion, das war einer der Songs, zu dem uns die Plattenfirma gezwungen hat, aber egal. Definitiv nicht meine Idee. Es ist das erste Lied, das wir mit Riku geschrieben haben und ich bin etwas traurig, dass es auf dem Album so klingt. Entschuldigung an den Produzenten, aber das ist, wie ich dazu stehe. Aber hey, es ist besser, den Song so auf dem Album zu haben als gar nicht. Es ist ein guter Song. Es wäre eine wirklich gute Rocksache. Ich denke, wir werden ihn im nächsten Jahr für etwas Besonderes nutzen. Vielleicht wird hoffentlich irgendwann keiner mehr darüber schreiben.
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am 24. November 2009 19:16:43
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P.S.: Hut ab, das muss 'ne Menge Arbeit gewesen sein, auch und vor allem die Übersetzung!